Kindercamp 2002
oder Coca-Cola und Fußball – Erlebnisse im Kindercamp
Nachdem letztes Jahr das 1. Kindercamp in Oberstaufen/Allgäu ein voller Erfolg war, veranstaltete der Deutsche Gehörlosen-Bund im Sommer 2002 das 2. bundesweite Camp für gehörlose Kinder. Das 2. Kindercamp fand vom 19.7. bis 29.7.2002 im Schullandheim Hoisdorf/Schleswig-Holstein statt und stand unter dem Motto: „Sprache, Kultur, Natur, Spiele und Spaß“. Es waren 25 Kinder aus verschiedenen Bundesländern dabei, alle im Alter von 10 bis 14 Jahren. Leiterin des Camps war Michaela Grosche, die diese Aufgabe von Doris Bönisch, die das erste Kindercamp letztes Jahr geleitet hatte und sich jetzt aber um ihr Baby kümmert, übernommen hat. Die Umgebung von Hoisdorfs ist sehr schön und kann einiges bieten: Hier gibt es zahlreiche Wälder, Felder und Seen in lieblicher Geestlandschaft. Hoisdorf selbst liegt unmittelbar an einem unter Naturschutz stehenden See.
Nachdem alle angereist waren, manche mit dem Zug, andere mit dem Auto und einer sogar mit dem Flugzeug, gab es nach dem Einchecken zur Begrüßung etwas zu Essen und zu Trinken: Ein Junge, der an dem Tag Geburtstag hatte, brachte von seiner Mutter einen frisch gebackenen Kuchen mit, und von der Firma Coca-Cola aus Mölln bekamen wir für die ganze Freizeit kostenlos Getränke zur Verfügung gestellt. Wir haben den kleinen Snack genossen und uns dabei gegenseitig kennen gelernt. Anschließend machten wir eine Verlosung zur Zimmerverteilung, eine Info-Runde über das Camp, und wir bildeten Teams, in denen je fünf Kinder mit einer/m Betreuer/in für die gesamte Zeit in einer Gruppe zusammen waren.
In den darauffolgenden Tagen haben wir gemeinsam vieles erlebt und unternommen:
Es fing an mit Kennenslernspielen und einer Dorfrallye, dann spielten wir „Wissenskiste“, schauten ein Video, in dem Gehörlose mitgespielt haben, machten sogenannte „ABC-Storys“ (ein Spiel, wo man den eigenen Namen und dessen Buchstaben in Gebärdensprachpoesie gebärdet), und das Spiel „1,2 oder 3“. Wir machten auch Tischtennisturniere, verschiedene Gesellschaftsspiele, eine Blindenführung, „Spiel ohne Grenzen“, spielten Theater und bastelten.
An einem Tag waren wir auch in Hamburg zum Kanufahren, ein anderes Mal im Hamburger Museum „Pyramiden“ und „Fotos“. Je nach Interesse konnten die Kinder entscheiden, welches Museum sie besuchen wollten.
Ein besonderes Erlebnis war natürlich unsere „unheimliche Wanderung“, bei der wir spätabends mit Fackeln durch das Dorf und durch den Wald gegangen sind.
Als wir mal schlechtes Wetter hatten, waren wir den ganzen Tag im Erlebnisbad Ahrensburg, und auch hier hatten wir durch eine großzügige Spende freien Eintritt.
Ein Erlebnis, das wir bestimmt nicht vergessen werden, war die Fahrt an den Timmendorfer Strand an der Ostsee. Es gab sogar Kinder, die so mutig waren, dass sie in das doch eher kalte Wasser schwimmen gingen … brrrr … Dann bauten die verschiedenen Teams je eine Sandburg, was voraussetzte, dass man vorher im Team diskutieren und aushandeln musste, wie diese Burg aussehen soll und wer sie wie baut. Hier war Teamgeist und Kooperationsfähigkeit gefragt!
Für ca. 20 „Nachtschwärmer“-Kinder gab es zwei Abende, in denen sie nicht in ihren Zimmern, sondern im Kaminzimmer auf dem Dachboden übernachteten: Das war für sie ganz toll, denn sie konnten alle zusammen in einem sehr schmalen Raum mit ihren Matratzen und Schlafsäcken liegen, mit ihren Taschenlampen leuchten und bis spät in die Nacht gebärdeten.
Das waren die“ besonderen“ Ereignisse. Und was gab es noch?
Jeden Abend machten wir eine „Smile-Runde“: Die jeweiligen Teams erfuhren von der Tagesleitung (je 1 Betreuer/in bzw. die Leiterin war für einen Tag für die Durchführung des Tagesprogramms verantwortlich), wieviele Punkte sie am Tag erreicht haben, es wurde darüber geredet, wie der Tag war, es wurde kritisiert, Meinungen ausgetauscht und diskutiert.
Außerdem hat uns Lisa, eine zwei Jahre alte Gebärdensprachpuppe aus dem Allgäu, sozusagen unser „Masskottchen“, jeden Abend eine „Gute - Nacht – Geschichte“ erzählt.
Ach, und noch was ganz wichtiges: Jeden Tag spielten die Kinder, vor allem die Jungs (und 1 Mädchen) Fußball. Immer, wenn wir die Kinder fragten, was sie denn gerne noch machen wollen, war der Wunsch „Fußball spielen“ an erster Stelle. Wir, die Betreuer/innen Michaela Grosche, Susanne Genc, Ines Desjardins, Markus Holz und ich, Britta Schönfelder, mussten jedesmal lachen. Die Kids spielten immer Fußball, egal, wie das Wetter war, ob es regnete, kalt oder heiß war. Wir, die „armen“ Betreuer/innen, mussten die Turnschuhe der Kinder abends mit Zeitung ausstopfen, damit am nächsten Tag wieder fröhlich und sorglos über den Fußballplatz gerast werden konnte!!
Die Zeit ging schnell um, und so kam sehr bald der letzte Abend: Wir feierten ein letztes Mal ein schönes Fest, grillten und verliehen die Preise für die Teams. Die Kids führten Sketche auf, in denen sie die Betreuer/innen mimten und zeigten, was wir alles in Wirklichkeit „angestellt“ hatten. Am Morgen danach waren alle etwas traurig gestimmt, nur ein Satz machte uns etwas fröhlicher: „Bis zum nächsten Mal beim Kindercamp!“
Ich glaube, dieses Camp war für uns Betreuer/innen eine sehr schöne Erfahrung, auch wenn es nicht immer leicht war, die Kinder pünktlich abends ins Bett zu bringen (es gab immer soo viel zu erzählen!). Aber es hat uns trotzdem allen gut gefallen. Durch die einwandfreie Kommunikation zwischen den gehörlosen Betreuer/innen und Kindern war es möglich, dass viele Fragen beantwortet und diskutiert werden konnten, dass ein Meinungsaustausch stattfand und vor allem viele Infos weitergegeben werden konnten.
Ich möchte mich bei allen Betreuer/innen bedanken, dass wir so eine tolle Freizeit miteinander erlebt haben. Ein besonderes Dankeschön geht an unsere Leiterin, dafür, dass sie diese Aufgabe übernommen hat. Es war SUPER!!!
Britta Schönfelder
Im Rahmen der Selbsthilfeförderung der gesetzlichen Krankenversicherungen wurde das Kindercamp des Deutschen Gehörlosen-Bundes gefördert von: AOK, BARMER, Buchdrucker-Krankenkasse Hannover, Brühler Krankenkasse Solingen, DAK, Hamburg-Münchener Krankenkasse, Hanseatische Krankenkasse, Krankenkasse für Bau- und Holzberufe, Kaufmännische Krankenkasse, Krankenkasse Eintracht Heusenstamm und Techniker Krankenkasse. Herzlichen Dank!